Helmuth Reichel Silva, Leitung
Charles Gounod: Symphonie für Bläser
(1818-1893)
Carl Nielsen: Lille Suite für Streicher a-Moll, op.1
(1865-1931)
Franz Schubert: Sinfonie Nr. 5
(1797-1828)
Unter dem Motto „Musikalische Kostbarkeiten“ präsentiert Helmuth Reichel Silva, der für den kurzfristig verhinderten Achim Fiedler einspringt, drei Meisterwerke der klassischen Musik ein – jedes in seinem eigenen Stil, doch alle verbunden durch eine besondere Leichtigkeit und Frische des Ausdrucks.
Die Werke stammen aus unterschiedlichen Ländern und Epochen, verbinden sie jedoch eine besondere Leichtigkeit, Frische und Klarheit des musikalischen Ausdrucks. Jedes Stück steht für sich und fügt sich zugleich zu einem abwechslungsreichen und stimmigen Gesamtprogramm
Den Auftakt bildet die Petite Symphonie für Bläser von Charles Gounod. Das Werk entstand im Jahr 1885 und wurde für das Pariser Bläserensemble „Société de musique pour tools à vent“ komponiert.
In vier Sätzen entfaltet sich eine Musik von klarer formaler Struktur, melodischer Eleganz und feinem französischem Esprit. Gounod verbindet hier klassische Formen mit romantischer Klangsprache und schafft ein Werk von großer Transparenz und Leichtigkeit.
Es folgt die Lille Suite für Streichorchester von Carl Nielsen, ein frühes, aber bereits sehr eigenständiges Werk des dänischen Komponisten. Entstanden 1888 während seiner Studienzeit, zeigt die dreisätzige Suite noch romantische Einflüsse, lässt aber bereits viele Merkmale von Nielsens späterem Stil erkennen. Nordische Melancholie verbindet sich mit jugendlichem Elan, kantablen Streicherlinien und lebendigen Kontrasten. Die Musik wirkt zugleich innig und kraftvoll und zeugt von Nielsens feinem Gespür für Klangfarben und Ausdruck.
Den Abschluss des Konzertabends bildet Franz Schuberts Sinfonie Nr. 5 in B-Dur. Schubert komponierte dieses Werk im Jahr 1816 im Alter von nur 19 Jahren, in einer Phase außergewöhnlicher schöpferischer Produktivität. Die Sinfonie entstand in bewusster Anlehnung an die großen Vorbilder der Wiener Klassik, insbesondere an Joseph Haydn und Wolfgang Amadeus Mozart, zeigt jedoch bereits deutlich Schuberts Eigenheiten.
Im Vergleich zu seinen früheren Sinfonien wählte Schubert hier eine bewusst schlanke Orchesterbesetzung. Auf Klarinetten, Trompeten und Pauken wird verzichtet, wodurch eine transparente, nahezu kammermusikalische Klangwirkung entsteht. Diese Leichtigkeit des Orchestersatzes verleiht der Sinfonie eine besondere Eleganz und erinnert in ihrer Klarheit an Mozarts Sinfonik, ohne deren Ausdruck lediglich zu kopieren.
Der erste Satz ist geprägt von heiterer Beweglichkeit, klarer thematischer Arbeit und einer ausgewogenen formalen Gestaltung. Schubert entwickelte seine musikalischen Gedanken mit natürlichem Fluss und großer melodischer Erfindungskraft. Der zweite Satz, ein Andante con moto, offenbart eine innige, gesangliche Stimmung. Hier zeigt sich Schuberts besondere Begabung für kantable Melodien und für feine, zurückhaltende emotionale Abstufung.
Das Menuett greift zwar formal auf die klassische Tanzform auf, besitzt jedoch einen eher ernsten, schnell nachdenklichen Charakter. Das Trio bildet dazu einen ruhigen, lyrischen Kontrast. Im abschließenden Finale kehren Leichtigkeit und Spielfreude zurück. Schwungvolle Rhythmen, klare Strukturen und eine optimistische Grundhaltung sorgen für einen lebendigen und zugleich geschlossenen Abschluss.
Trotz ihrer jugendlichen Unbeschwertheit besitzt die Sinfonie Nr. 5 eine bemerkenswerte innere Tiefe und Geschlossenheit. Sie verbindet klassische Formklarheit mit persönlichem Ausdruck und gilt heute als eines der gelungensten frühen sinfonischen Werke Franz Schuberts sowie als eindrucksvolles Zeugnis seines außergewöhnlichen Schaffens. Ein Abend der klanglichen Feinheiten und stilistischen Vielfalt – zwischen französischer Eleganz, nordischer Klangpoesie und österreichischer Klassik.
Helmuth Reichel Silva zählt zu den herausragendsten Dirigenten Südamerikas und begeistert mit seiner außergewöhnlichen Musikalität ein internationales Publikum. Weltweit geschätzt für seine tiefgründigen Interpretationen, sein inspirierendes Temperament und seine unverwechselbare künstlerische Stimme, zeichnen sich seine Aufführungen sowohl durch strukturelle Klarheit als auch durch große emotionale Tiefe aus. Seine Arbeit spiegelt eine starke Affinität zu den Farben und Ausdruckslandschaften des Repertoires des 20. Jahrhunderts wider, ebenso wie ein tiefes Engagement für zeitgenössische Musik, insbesondere für Werke chilenischer und lateinamerikanischer Komponist*innen, und verbindet dies mit einem breiten und vielseitigen sinfonischen Profil.
Seine Arbeit wurde mit bedeutenden Auszeichnungen gewürdigt, darunter der Preis des chilenischen Kunstkritikerverbands für die Beste Aufführung des Jahres mit Stravinskys Le Sacre du Printemps und der Orquesta Sinfónica Nacional de Chile. Zuletzt erhielt Reichel Silva gleich zwei Preise bei den Premios Carmen 2024 — in den Kategorien Beste musikalische Leitung und Beste vokale Leitung — für seine Arbeit an der spanischen Erstaufführung der Oper Pinocchio der deutschen Komponistin Gloria Bruni, dem bislang bedeutendsten musikpädagogischen Projekt im südlichen Teil des Kontinents am Teatro del Lago. Im Oktober 2025 veröffentlichte Reichel Silva Paisaje Urbano, ein Album mit der Orquesta Sinfónica de La Serena mit zeitgenössischen Werken chilenischer Komponist*innen. Im Rahmen seiner jüngsten Zusammenarbeit mit dem Coro Sinfónico Nacional, darunter einer Aufführung von Debussys Nocturnes mit seinem zarten Frauenchor im dritten Satz sowie der Uraufführung eines Werkes von Tomás Brantmayer, wurde Reichel Silva eingeladen, Mendelssohns Oratorium Elias im Jahr 2026 als Teil seiner fortlaufenden Kooperation mit der Orquesta Sinfónica Nacional de Chile zu dirigieren.
Geboren in Santiago de Chile, begann Reichel Silva seine musikalische Laufbahn im Alter von fünf Jahren als Geiger am Conservatorio Nacional de Música in Santiago. Später führte er sein Violinstudium in Deutschland fort, wo er als Mitglied mehrerer bedeutender Opern- und Sinfonieorchester tätig war und aus erster Hand Einblicke in orchestrale Klangstrukturen, Ensemblekultur und die Feinheiten des Opern- und Sinfonierrepertoires gewann. Diese umfangreiche Erfahrung als professioneller Geiger prägte seine musikalische Sensibilität grundlegend und vermittelte ihm ein tiefes Verständnis für orchestrale Farbgebung, Balance und kommunikative Feinheiten im Ensemble – Elemente, die heute seinen dirigentischen Ansatz wesentlich bestimmen. Anschließend absolvierte Reichel Silva seine Ausbildung als Dirigent an den Musikhochschulen in Stuttgart und Trossingen.
Seine Dirigentenkarriere begann er als Finalist des Dirigierwettbewerbs von Besançon, und seither wurde er von Orchestern in Asien, Europa und Südamerika engagiert – darunter das Tokyo Symphony Orchestra, das SWR Sinfonieorchester, das Sinfonieorchester Basel, das Orchestra Ensemble Kanazawa, Orquesta Sinfónica de Castilla y León und die Stuttgarter Philharmoniker. In Chile arbeitet er regelmäßig mit den führenden Orchestern des Landes zusammen und setzt damit seine Arbeit für die Bewahrung chilenischer Musikkultur ebenso wie für zeitgenössisches Repertoire fort. Zu seinen bisherigen Kooperationen zählen führende internationale Komponisten wie Helmut Lachenmann, Pēteris Vasks und Guillaume Connesson sowie bedeutende zeitgenössische chilenische Komponist*innen, darunter Tomás Brantmayer, Miguel Farías und Tamara Miller – durch Uraufführungen, Einspielungen und Auftragswerke.
Außerhalb des Konzertsaals widmet sich Reichel Silva als leidenschaftlicher Pädagoge der Ausbildung der nächsten Generation von Dirigentinnen und Musikerinnen. Als Gastprofessor bei internationalen Meisterkursen gibt er seine Erfahrung und Perspektiven an aufstrebende Musiker*innen weiter. Die Zukunft durch Bildung zu gestalten, ist ihm ein besonderes Anliegen: Seit 2020 setzt er als Künstlerischer Leiter und Chefdirigent des Universitätsorchesters Dresden auf die kreative Vermittlung von Musik und fördert damit ein tieferes Verständnis für ihre kulturelle Bedeutung.
Sinfonieorchester Villingen-Schwenningen e.V.
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